Dienstag, 17. Dezember 2013

Kapitel 75 - in dem es keine Überraschungen gibt - ich bin halt ein Depp

Also - das Thema Maschenprobe. Große Sache, die ich natürlich auch wirklich verinnerlicht habe! Gebranntes Kind usw., außerdem habe ich ja auch verschiedene VHS-Kurse hinter mir, in denen gebetsmühlenhaft dieser eine Satz wiederholt worden ist - mit langem U: "Machen Sie unbedingt eine Maschenprobe!"

Na dann los: Maschenprobe anfertigen, und zwar genügend groß, und möglichst auch mit verschiedenen Nadelstärken. Ich mache meistens so eine Art Mini-Schal, unten und an den Seiten in kraus rechts, und wenn ich die Nadeln wechsle, dann stricke ich zuerst eine Reihe linke Maschen - bzw. die Rückreihe rechts - damit man genau sehen kann, dass jetzt etwas anderes kommt.
Das sieht so aus:




Hier kann man deutlich erkennen, dass ich zwei verschiedene Nadelstärken genommen habe, denn der untere Teil ist doch sehr viel engmaschiger (brettiger, wie Tina sagen würde) als der obere.

Die Maschenprobe wird einmal durchs Wollprogramm der Waschmaschine gejagt, bzw. so behandelt, wie ich auch das fertige Stück zu behandeln gedenke.

Dann wird die Probe gespannt, getrocknet und brav ausgezählt. Ich zähle meist nur das Ergebnis, das mir besser gefällt. Ergebnis: 23 Maschen/30 Reihen.

Tja, und jetzt kommt, warum ich ein Depp bin. Denn die Frage lautet: mit welcher Nadel?

Mit welcher verflixten Nadel habe ich welchen verflixten Teil dieser verflixten Maschenprobe gestrickt? Na?

Das ist doch zum Aus-der-Haut-fahren! Ich hab's mir tatsächlich nirgendwo aufgeschrieben.

Jetzt steh ich natürlich blöd da. Ich könnte mich also vage erinnern und einfach drauflos stricken. Oder meinen Papierkorb auf dem Teppich ausleeren, in der Hoffnung, dass ich auf irgendeinem der zerrissenen Schnipsel doch eine Nadelstärke notiert habe (ich erinnere mich nämlich doch, dass ich etwas - aber was? - aufgeschrieben habe). Oder ich könnte - seufz - noch eine Maschenprobe stricken. Das wäre natürlich die naheliegendste Lösung. Alles flugs auftrennen und noch einmal loslegen. So tun, als sei nichts passiert. Aber.ich.will.nicht. Bin wie gelähmt. So ein verflixtes Pech aber auch.

Hier tritt also offensichtlich eine Art Nadellähmung ein, die man als Stricker bereits vom Stricken selbst kennt. Diese Lähmung tritt nämlich dann auf, wenn man so unendlich zögert, die Konsequenzen aus einem Fehler zu ziehen und wider besseren Wissens einfach weiterstrickt, obgleich man eigentlich schon 'weiß', dass man später auftrennen wird. Weil man muss. Weil es eben nicht anders geht. Weil es nicht passt.

Ich dagegen bin schon vorher nadelgelähmt. Ich will eigentlich mein nächstes Pulliprojekt in Angriff nehmen und habe dafür ja die Maschenprobe gemacht. Alles ist fertig, nur weiß ich jetzt nicht, welche Nadel ich nehmen soll. Ich muss eine neue Maschenprobe machen und zögere das hinaus, bin versucht, einfach eine Nadelstärke zu nehmen, die sich irgendwie richtig anfühlt und fange aber damit auch nicht an.

Es ist also offensichtlich so, dass ich hier auf eine göttliche Eingebung warte, die mich sich daran erinnern lässt, mit welcher Nadelstärke ich vor ein paar Wochen eine Maschenprobe gestrickt habe. Seien wir ehrlich: ich bin ein Depp!

Da hilft nur eins. Etwas anderes stricken, wie z.B. diesen Wollberg-Reduzier-Socken:



Oder in den sauren Apfel beißen und mutig neu anzufangen (das dauert bei mir noch - ich bin ein schwieriger Fall).

Oder: sich in Zukunft dagegen zu wappnen. Eine Möglichkeit sieht so aus: 


Wie man hier ganz gut sehen kann, sind in die glatt rechte Maschenprobe ein paar linke Maschen eingestrickt. Und zwar genau in der Anzahl, die derjenigen der Nadelstärke entspricht. Clever, oder? Das geht auch mit halben Zahlen, dann strickt man einfach seine Anzahl linker Maschen, eine rechts, und noch eine links - bedeutet: Nadel x,5.

Genial einfach, so wie alle guten Ideen, aber man muss eben erst einmal drauf kommen. Beziehungsweise: man muss sich halt eben auch dran erinnern, wenn man es braucht. Wissen aktivieren, sozusagen.

Auf keinen Fall darf man meinen, man finde den Zettel wieder, auf dem man sich alles 'mal eben schnell' notiert hat.

Und was man wirklich niemals machen darf: sich selbst glauben, wenn man sich einreden will, dass man 'sich das schon merken' kann. Das kann man wirklich vergessen - ich bin der Beweis!



1 Kommentar:

  1. Frau kann aber auch erstmal einen Aermel stricken (mit der Nadelstaerke, mit der sie meint, dass sie die richtige Maschenzahl erzielt hat), und dann zwischendrin mal messen - meist merkt frau ein paar Runden nach dem Buendchen, ob es stimmt oder nicht!

    Also - nicht aufgeben, sondern zu den Nadeln und der Wolle fuer den Pulli greifen!

    LG
    Connie

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